Beschreibung Aufstellungsarbeit

Bei der Arbeit mit Aufstellungen geht es nicht darum, die Sichtweisen der Einzelnen mit Worten zu beschreiben, sondern sie räumlich-körperlich darzustellen.

Die Aufstellungen zielen darauf ab, neue Perspektiven auf das eigene System zu gewinnen. In Aufstellungen wird nicht mehr deutlich, als das, was man von sich zeigen möchte.

Bei der Aufstellung oder dem Familienstellen spielen die Dimensionen der Nähe/ Distanz sowie Zu- und Abwendung die vordergründige Rolle. Die Systembeteiligten werden durch Repräsentanten ersetzt. Man kann eine Aufstellung als Repräsentant oder als „Falleingeber“/ „Ratsuchender“ erleben.

 

Wo kommt sie her?

Die Fachwelt geht schon länger davon aus, dass Handeln heilender sein kann als Reden. Die Empfindungen des Körpers enthalten unbewusste Informationen über die Geschichte von Personen und Familien. Sie können mit Hilfe von Aufstellungen sichtbar werden. Als Begründer dieser Methode werden Bert Hellinger und Gunthard Weber gesehen. Die hier verwendete Vorgehensweise distanziert sich allerdings von der mittlerweile entstandenen Vorgehensweise von Bert Hellinger.

 

Wie wirkt sie?

Bei der Methode der Aufstellung kann ein Einzelner ein Anliegen mit Hilfe der Gruppe, die dann als Repräsentanten der tatsächlichen Systemmitglieder fungieren, aufstellen lassen.

So sprechen wir nicht nur über die Menschen aus einem bestimmten System, sondern durch die Repräsentanten erleben wir eine Begegnung mit ihnen fast so intensiv, als würden wir den realen Systemmitgliedern begegnen.

Ein zentraler Bestandteil der Methode ist die Frage nach Wahrnehmungen, Körperempfindungen, Gefühlen und Impulsen der aufgestellten Personen. Diese können sich z.B. durch empfundene Wärme oder Schwere oder dem Impuls, sich in eine bestimmte Richtung bewegen zu wollen, ausdrücken.

Wie stark wir alle miteinander verbunden sind, wird besonders in der Aufstellungsarbeit deutlich. Einer der Repräsentanten bewegt sich und einige, wahrscheinlich sogar alle im System, reagieren darauf.

 

Repräsentative Wahrnehmung

In wissenschaftlichen Untersuchungen (z.B. Schlötters Versuchsanordnung) wurde festgestellt, dass der Ratsuchende auf einer für ihn unbewussten Ebene in unterschiedlicher Art und Weise Informationen an die Gruppe gibt. Diese werden dann von den Repräsentanten in Worte gefasst oder von ihrem Körper wahrgenommen. Diese Informationen hatte der Ratsuchende bereits, war sich diesen aber nicht bewusst. Sie werden somit von der unbewussten in die bewusste Ebene gehoben. Durch die unvoreingenommene Darlegung der Informationen durch die Repräsentanten, findet zudem eine neue Sortierung der Informationen statt. Der Filter der Betrachtung dieser Informationen, welche der Ratsuchende vor Augen gehabt hätte, wäre er sich schon vorher dieser Informationen bewusst gewesen, entfällt bei den Repräsentanten. Wie diese Informationen auf die Gruppe übertragen werden, ist noch nicht klar erklärt. Ich erkläre es mir immer wieder so: Wenn mich jemand beobachtet, und sei es auch von hinten, spüre ich dies irgendwann und drehe mich um. Wie ich dies bemerken konnte, ist mir schleierhaft. Und genau so verhält es sich auch mit dieser Informationsübertragung. Wir treten auf eine noch nicht geklärte Art miteinander in Verbindung. Einer meiner Studenten bemerkte nach dieser Erklärung, dass wir uns demnach gut überlegen sollten, mit wem wir uns auch in unserem Alltag umgeben, wenn wir doch so verbunden miteinander zu sein scheinen. Kein so abwegiger Gedanke!

Repräsentanten empfinden die Situation der Personen nach, die sie vertreten. Dies bedeutet aber nicht, dass hier eine Übertragung der Geschichte dieser Menschen auf die eigene Persönlichkeit stattfindet. Wer also Symptome in der Stellvertreterrolle empfindet, kann sich darauf verlassen, dass diese nach der Aufstellung wieder verschwinden. Als Leiter werde ich auch immer darauf hinweisen, die erlebte Geschichte nun wieder los zu lassen. Deshalb werden die Repräsentanten vom Ratsuchenden auch aus ihren Rollen entlassen, sozusagen „Entrollt“.

 

Wie arbeite ich?

Eine gute Auftragsklärung ist eine wichtige Grundlage für die Aufstellungsarbeit, um die Interessen des Ratsuchenden wahrzunehmen. Hier steht im Mittelpunkt das, was der Ratsuchende für sich klären möchte. Allerdings ist dies oft schwierig in passende Worte zu kleiden und so wird in der Auftragsklärung auch eine Hilfestellung dabei geboten, den Kern des Anliegens heraus zu arbeiten.

Es gibt Aufstellungsleiter die zu Beginn der Aufstellung oder im Vorfeld eine ausführliche Erhebung der biologischen Zusammenhänge und Vorerfahrungen erstellen. Ich vertrete hier allerdings die Auffassung, dass zu viele Informationen eher zu einer Überfrachtung der Aufstellung führen, in dem die Stellvertreter sich dann von vielen Interpretationen des Gehörten erst lösen müssen um dann ins klare Fühlen zu gelangen. Nach meiner Erfahrung werden die wesentlichen Fakten und lebensgeschichtlichen Zusammenhänge, so sie eine Rolle für die jeweilige Problembewältigung spielen, auch in der Aufstellung selber deutlich. Ich habe bereits sehr hilfreiche Aufstellungen erlebt, bei der die Repräsentanten gar nicht wussten, für wen sie in der Aufstellung standen. Solche verdeckten Aufstellungen haben dann selbst große Kritiker der Methode schon davon überzeugen können, dass hier kein schauspielerischer Talentwettbewerb abläuft, sondern die Repräsentanten nur das wiedergeben, was sie auf ihrer Position erfühlen.

Alle Teilnehmer verpflichten sich zur Einhaltung der Schweigepflicht. Keiner wird während des Aufstellungsseminars zu irgendetwas gezwungen. So hat jeder während des Seminars die Möglichkeit, sich aus dem Prozess zurück zu ziehen und an einer Aufstellung als Repräsentant oder Beobachter nicht teilzuhaben.

Es wird nur an dem vom Ratsuchenden erteilten Auftrag gearbeitet. Sollte sich ein anderes wichtiges Thema abzeichnen, wird der Ratsuchende gefragt, ob er sich mit diesem Thema beschäftigen möchte. Will er nicht auf dieses Thema schauen, wird dieses auch nicht weiter beachtet. So haben sich dann entsprechende Hypothesen des Leiters der Aufstellung diesem Bedürfnis völlig unterzuordnen.

Die Repräsentanten halte ich während der Aufstellungsarbeit stets im Auge, um auch für diese Sorge zu tragen und zu verhindern, dass sie überfordert werden könnten. Sollte ich den Eindruck haben, spreche ich sie entsprechend an und gebe ihnen die Gelegenheit, aus ihrer Repräsentanz zu kommen. Ein Repräsentant darf jeder Zeit aus seiner Rolle.

Als Leiter der Aufstellung bleibe ich absichtslos. Ich behalte das Ziel des Ratsuchenden im Auge, bin aber zugleich nicht darauf versessen, es zu erreichen. Das bewahrt mich vor möglichen Manipulationen und ich verstehe mich als Begleiter des fließenden Prozesses.

Natürlich nehme ich selber regelmäßig Supervisionen und Intervisionen in Anspruch um meine Vorgehensweisen dahingehend zu reflektieren, ob ich die hier beschriebenen Haltungen auch kontinuierlich beibehalte.

 

Was bringt mir die Teilnahme als Repräsentant oder Zuschauer?

Als Repräsentant kann ich die Methode kennenlernen, ohne mich gleich darauf einzulassen, ein eigenes Anliegen aufstellen zu lassen. Dieses Vorgehen kann hilfreich sein um vielleicht zunächst vorhandene Vorbehalte abbauen zu helfen.

Außerdem bietet sich als Repräsentant die Chance, eigenes mit erledigen zu können. Dies bedeutet, es können in der Repräsentanz eigene Themen angestoßen und bearbeitet werden. So hatte ich einige Zeit ein Problem damit, mich von bestimmten Menschen abzugrenzen. In einer Stellvertretung stand ich dann in einer Aufstellung mal für jemanden, der in der Lage war dies sehr gut zu können. Ich fühlte mich in dieser Repräsentanz sehr wohl und konnte dieses positive Gefühl zu der Haltung „mich abgrenzen“ in mein eigenes Leben integrieren.

Des Weiteren schärft die Repräsentanz die Wahrnehmungsfähigkeit. So lernt ein Stellvertreter durch das Aufgestellt werden jedes Mal dazu.

 Sie brauchen sich im Vorfeld keine Gedanken darüber zu machen, ob sie als Repräsentant geeignet sind. In Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass unterschiedliche Repräsentanten bei gleicher Problemstellung zwar unterschiedliche Facetten des Anliegens beleuchten, es aber überall zum gleichen Ergebnis kam. Hierzu hat man in unterschiedlichen Räumen die gleichen Anliegen parallel bearbeitet.

Auch die Befürchtung, sich vielleicht nicht in andere Personen einfühlen zu können, ist in der Regel unbegründet. Nach meiner Erfahrung ist es jedem möglich, der sich darauf einlassen möchte.

Es kann auch sein, dass Sie sich zunächst weder als Falleinbringer noch als Repräsentant zur Verfügung stellen möchten. Auch dies bietet ein Lernfeld, da Sie zunächst die Aufstellungsarbeit als Solche kennen lernen. Aber auch als Zuschauer wird sehr oft etwas in einem selbst berührt und es können eigene Themen angestoßen werden. Die dargestellten Lösungsoptionen können sich beispielsweise als Lösungen für eigene Lösungsgestaltungen anbieten.

 

Wie läuft eine Aufstellungssitzung ab?

Mit dem Ratsuchenden wird zu Beginn der Aufstellung ein kurzes Gespräch darüber geführt, was sein Anliegen ist und welches Ziel er damit verbindet. Dies ist dem Ratsuchenden oft selbst noch nicht ganz klar und dieses Gespräch ist dabei behilflich, hier eine Klärung zu schaffen. Hier ergeben sich für mich als Leitung der Aufstellung dann auch die nötigen Informationen darüber, welche Personen zum relevanten System gehören und wer demnach in der Aufstellung berücksichtigt werden sollte. Das bedeutet, anschließend wird der Ratsuchende aufgefordert, Stellvertreter für diese Systemmitglieder aus den anwesenden Teilnehmer auszusuchen. Auch für sich selbst sucht er jemanden heraus, weil der Ratsuchende zunächst selbst nicht in der Aufstellung steht. Diese soll er nun rein intuitiv im Raum so verteilen, dass das nun entstehende Bild seinem inneren Bild der Situation entspricht. Der Fokus dabei liegt auf den Positionen der einzelnen Repräsentanten, ihrer Nähe bzw. ihres Abstandes zueinander. Auch die Blickrichtungen der aufgestellten Personen hat eine Bedeutung und gibt in gewisser Weise Auskunft darüber, wer mit wem im Kontakt steht.

Nachdem der Ratsuchende sein System aufgestellt hat, wird er gebeten, sich im Raum einen guten Platz zu suchen, von dem aus er das Geschehen beobachten kann.

Die Repräsentanten werden nun gebeten, sich in ihre Position einzufühlen und nicht über ihre Position nachzudenken. Anschließend frage ich als Leiter jeden Einzelnen der Repräsentanten nach seinen Empfindungen. Dabei achte ich darauf, dass die Antworten kurz bleiben und die Repräsentanten im Fühlen bleiben und nicht in Erklärungsversuche und Interpretationen abwandern. Anschließend versichere ich mich beim Ratsuchenden, ob die Beschreibungen mit seiner Wahrnehmung übereinstimmen. Hier zeigt sich noch mal, ob es sich wirklich um sein inneres Bild handelt. In der Regel wird dies als passend erlebt.

Ausgehend von dem sich nun abzeichnenden „Störungsbild“ kommt die Aufstellung in Bewegung und es kristallisiert sich immer mehr heraus, was dem Ratsuchenden helfen würde um einen Platz im System zu erhalten, der seiner Zielsetzung entspricht. Wenn solch ein Lösungsbild in Sicht kommt, werden Sie gefragt, ob Sie nun selbst in die Aufstellung kommen wollen, um den wesentlichen Schritt nicht vom Repräsentanten, sondern selbst ausführen zu können. Dies soll dem Ratsuchenden zu einer guten Erfahrung verhelfen. Während der Aufstellung kann es dazu kommen, dass der Leiter den Repräsentanten Sätze vorschlägt, welche sie während der Aufstellung aussprechen könnten. Hier sollte der Repräsentant für sich immer erst prüfen, ob es an dieser Stelle für ihn stimmig ist, diesen Satz zu äußern und ihn ansonsten entsprechend abzuändern oder gar nicht auszudrücken.

Am Ende der Aufstellung werden die Repräsentanten vom Ratsuchenden aus ihren Rollen entlassen und alle Anwesenden haben die Möglichkeit Eindrücke zu ergänzen oder Fragen zu stellen. Hierbei werde ich als Leitung darauf achten, was die Anmerkungen beim Ratsuchenden bewirken, um zu verhindern, dass die Aufstellung zerredet wird.

 

Was geschieht im Anschluss? Wie geht es weiter?

Nach der Aufstellung sollte man nicht versuchen das Aufstellungsbild im Kopf zu analysieren. Da es sich sowieso nicht um eine reale Abbildung der Wirklichkeit, sondern um ein Bild der Seele handelt. Dieses Bild der Seele benötigt in Ruhe Zeit um sich entfalten zu können. Es muss sozusagen vom Kopf ins Herz rutschen.

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